Bad Arolsen

Mein Blick – meine Geschichte – gemeinsam, digital erleben

Tagebuch, Fotoklebeecken für Fotoalben und Briefreundschaften waren   gestern? Zumindest werden heute Geschichten nicht nur in Büchern erzählt sondern auch digital – so auch im Projekt „Storytelling und Slebststorys“. Der erste Gedanke, der einem in den Sinn kommt umfasst die Erinnerung an die ersten Websites: Familien berichten in Fließtexten von ihren Urlaubserlebnissen und Vereine stellen die Bilder ihres letzten Festes, verpixelt und schlecht formatiert auf einfarbigem Hintergrund online. Dank Online-Tools wie Instagram und Snapchat sind die Möglichkeiten Geschichten zu erzählen viel unmittelbarer und interaktiver geworden. Durch das Hochladen von Bildern und Erläuterungen mittels kurzer Texte kann eine Bildergeschichte entstehen, die beispielsweise zeigt, wie der erste Theaterbesuch erlebt wird: Die Wahl des richtigen Outfits vor dem Kleiderschrank, das imposante Portal des Theaters, die anderen elegant gekleideten Theaterbesucher im Foyer… Die Benutzer des Online-Tools können dann die Fotos und Videos kommentieren oder verlinken.

Geschichten zur Kultur in der Region

So bietet Snapchat, Instagram und Co viele Möglichkeiten künstlerisch aktiv zu werden. Medienpädagoge Reinhard Mehles greift in seinem Projekt „Blicke erzählen“ diese Potentiale auf. Jugendliche werden eingeladen, Kulturträger der Region, wie Museen oder Kirchen in den Blick zu nehmen und kreativ zu visualisieren. Diese Bilder, ob Fotos oder Videos, werden durch Texte ergänzt und in der Aneinanderreihung zu Erzählungen.

Am Anfang steht die Selbstwahrnehmung und Einschätzung im Mittelpunkt, welche Kulturträger in der Region für den jeweiligen Teilnehmer persönlich von Bedeutung sind und mit welchem man sich tiefer auseinandersetzten möchte, im Mittelpunkt. Im nächsten Schritt stellt sich für den Jugendlichen/ die Jugendliche die Frage, wie die Erfahrung, die man selbst mit dem Objekt gemacht hat, erzählt und visualisiert werden kann. Hierbei ist nicht nur Kreativität, Medienkompetenz sondern auch der feine Umgang mit Text gefragt. Weiter ist aber auch die Wahrnehmung von außen und dessen Wirkungen auf das Innere genau zu beobachten. Wie wirkt umgekehrt meine Einstellung zum Museum auf meine Bildsprache? Sobald die Geschichte online ist, wirken dann weitere Mechanismen der Selbst- und Fremdwahrnehmung, die durch die „klicks“ und Kommentare geformt werden. Weltsichterfahrungen von Jugendlichen sollen ausgetauscht werden.

„Blicke-erzählen-Geschichten“ im Konzert

Die entstehenden „Blicke-erzählen-Geschichten“ werden nicht nur online präsent sein, sondern auch zum Projektabschluss im Rahmen von zwei Konzertabenden, die in der Klosterkirche Flechtdorf sowie in der St. Georg-Kirche in Mengeringhausen stattfinden wird, präsentiert. Dadurch erhalten sie eine verortete Bindung. Denn der Themenbereich „Katholische und protestantische Kirchenmusik“ ist ein Aspekt der „Blicke-erzählen-Geschichten“ und hat einen direkten Bezug zu dem Konzertabend. Alle Geschichten werden live als Kurzvortrag bzw. als multimediale Präsentationen zwischen den einzelnen musikalischen Darbietungen vorgestellt.

Auch wenn man Tagebücher, Fotoklebeecken und Brieffreundschaften liebt, sind die neuen Online-Tools Möglichkeiten trotz weiter Entfernungen unmittelbar zu kommunizieren. Kreativität, künstlerische Freiheit, Bewusstsein für sich und seine Blicke in die unmittelbare Umgebung und das Lernen des richtigen Umgangs mit Sozialen Netzwerken kennzeichnen dieses LandKulturPerlen-Projekt.