Diemelsee

Die Spolie – Vergangenheit und Zukunft

Aufgrund von Materialknappheit wurden in der Architekturgeschichte häufig Beuteteile aus Vorgängerbauten oder Ruinen für den Neubau verwendet. Mit dem Wechsel der ursprünglichen Bestimmung wurden sie zu Spolien. Dies geschah jedoch nicht selten auch aufgrund der Bedeutungsübertragung der alten Bauten auf das neu Entstehende. Den Geist des Alten anpassen und in das Zukünftige implementieren. Was ist gut am Alten und was davon wollen wir mit in die Zukunft nehmen und vor allem unter welchen eigenen Vorstellungen und Wünschen?

300 Jahre alte Bretter als Botschafter

In Flechtdorf in der Gemeinde Diemelsee steht das ab 1104 von Benediktinern erbaute Kloster, das bis 1598 von Mönchen bewohnt und genutzt wurde. Heute verwaltet der Förderverein Kloster Flechtdorf e. V. die Nebengebäude der Klosterkirche. Der Verein, der gleichzeitig Eigentümer der ehemaligen Klostergebäude ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Erhalt, die Nutzung und die Restaurierung der ehemaligen Klosteranlage ideell und materiell voranzutreiben. Das alte Gemäuer in die Zukunft zu tragen, steht dabei im Zentrum der Arbeit. Um diese Brücke zu bauen, werden jungen Erwachsene aus Flechtdorf in einem Kunstprojekt an das Kulturobjekt herangeführt.

Die begleitende Künstlerin Marlit Peikert hat sich, gemeinsam mit dem Vorstand des Fördervereins, dafür die Idee der Spolie zu eigen gemacht. Die Jugendlichen gestalten 300 Jahre alte Dielen um, die zuvor von den Vereinsmitgliedern aufgearbeitet wurden. Teile des ehemaligen Bodens werden zum Trägermaterial der Wünsche und Visionen der Jugendlichen für ihre sowie die Zukunft des Klosters.

An mehreren Tagen leitet Peikert die Jugendlichen darin an, ihre Erwartungen und Hoffnungen bildlich auf den mehrere Meter langen Brettern darzustellen. Hierbei soll auch immer wieder die Frage fokussiert werden, wie das Kloster ihren Lebensraum prägt, und wie es das Leben im ländlichen Raum weiter bereichern kann.

Dauerhafte Gedankenstütze

Diese Spolie findet eine dauerhafte Ausstellung im öffentlich zugänglichen Bereich des Klosters und kann somit als Gedankenstütze fürs Gestern, Heute und Morgen dienen. Die künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Themen ermöglicht es den Jugendlichen sich ohne Worte, aber mit Formen und Farben auszudrücken. Gleichzeitig erfahren sie die Auseinandersetzung mit der Geschichte des eigenen Lebensraums.

Der Förderverein freut sich besonders auf die Durchmischung von langjährigen Vereinsmitgliedern und den impulsgebenden Jugendlichen. Brückenbau auf vielen Ebene.