Lichtenfels

Musikinstrumente aus dem Baumark

„Ich bin unmusikalisch!“ Ein Satz den man häufig von Kindern und Erwachsenen hört. Oft ist damit gemeint, dass man keine Noten lesen und keine Stücke auf einem Instrument spielen kann. Um zu muszieren braucht es jedoch nicht zwangsläufig theoretische Grundlagen oder herkömmliche Instrumente. Das zeigt auch das Projekt der Mittelpunktschule Goddelsheim.

Alle haben ein Gefühl für Rhythmus

Im Projekt „Rhythmus mit selbst gebauten Stomp-Instrumenten“ bauen Schüler der achten Jahrgangsstufe selbst Instrumente aus Eimern, Besen und Blechen. Unterstützt werden sie dabei von einer Lehrkraft* der Mittelpunktschule und einem Experten von der Musikschule Korbach.

Mit den selbstgebauten Instrumenten wird eine rhythmische Performance entwickelt und umgesetzt. Hierfür sind kaum musikalischen Vorkenntnisse erforderlich und das Gefühl für den Rhythmus kommt beim gemeinsamen Musizieren.

Wie hört sich das denn an?

Für das Musizieren nach dem Stomp-Prinzip kann praktisch jeder Gegenstand zum Instrument werden. Die Schüler können die Instrumente entwickeln und eigene Ideen einbringen. Dadurch können sie bereits zu Beginn des drei tägigen Projektes eigenständig arbeiten.

Auf Gegenstände aus dem Baumarkt haben sich die Schüler geeinigt und in der Werkstatt gesägt und geklebt. Klangmöglichkeiten werden erkundet und eigene Instrumente erfunden: Schlägel aus Besenstielen und Teppichresten, tiefe Trommeln aus Plastikfässern, Trommeln aus Abwasserrohren und Besen, die mit Klanghölzern gespielt werden.

Und dann steht erst mal das Entdecken auf dem Kursplan. Wie hört mein Instrument sich an? Wie kann ich die Klänge verändern? Ergibt sich im Probieren bereits eine Abfolge von Klängen, die sich für mich harmonisch anhört? Nach all diesen Erkenntnissen ist es dann spannend für die Jugendlichen ihre Mitschüler mit ihren Instrumenten zu erleben. Vielleicht hält der Sitznachbar das Instrument anders und erzeugt dadurch einen anderen Klang. Oder anderen trauen sich, viel schneller und lauter zu spielen. Finde ich das für mein Spiel auch gut? Am Ende dieses zweiten Projekttages wird ein musikalischer Ablauf für eine gemeinsame Performance festgelegt.

Am dritten Tag werden diese Erkenntnisse zusammengebracht. Beim Erarbeiten einer gemeinsamen Performance spielt jeder Musiker eine wichtige Rolle. Jetzt geht es darum, sich mit dem eigenen Instrument auf die anderen Musiker einzustellen und gemeinsam ein Klangspiel zu entwickeln. Wer Lust hat kann dabei auch mit tänzerischem Körpereinsatz agieren. Nun sind viele Kompetenzen gefragt: Gehör und Koordination für das eigene Instrument, das konzentrierte Zusammenspiel mit der Gruppe und das Ausführen einer Choreographie. Dabei geht es jedoch nicht um Leistung, sondern um die Freude an der Musik, darum sich gemeinsam vom Rhythmus tragen zu lassen.

Rhythmus braucht lediglich Gefühl

Bei diesem gemeinsamen Entdecken spielen sprachliche Barrieren oder schulische Lernschwächen keine Rolle mehr. Die Schüler können sich, ihre Mitschüler und ihre Kompetenzen dadurch neu kennenlernen. Auch darum ist geplant, den Workshop über das LandKulturPerlen-Projekt hinaus in Kooperation mit der Korbacher Musikschule im Musikunterricht fortzuführen – bis hin zu einer Aufführung auf dem Hessentag 2018 in Korbach.